Essen, Verkehr in Phnom Penh und weitere schöne Dinge

Eigentlich sollte dies ein kürzerer Text werden. Beim Schreiben fällt mir dann jedoch mehr und mehr ein und es ist schwierig, einen Strich zu ziehen. Entschuldigung dafür.

Allgemein bekommt man hier für 2 Dollar eine gute Mahlzeit. Viele Gerichte bestehen aus Reis oder Nudeln mit gekochtem oder gebratenem Gemüse und Fleisch. Fleisch gehört von morgens an zu den meisten Gerichten. In den Lokalen wird morgens gerne Nudelsuppe gegessen, Brot oder Ähnliches zum Frühstück ist sehr ungewöhnlich. Manchmal wissen wir nicht genau, was wir gerade essen oder trinken, aber es schmeckt meistens gut und vor allem interessant. Eine Regel hier ist: Erst probieren, dann nachfragen.

Was wir jetzt bereits sehr schätzen, sind all die frischen Fruchtgetränke und Shakes. Beim Russian Market gibt es viele Stände, wo man verschiedene exotische Shakes bestellen kann. Diese werden dann frisch vor unseren Augen zubereitet und schmecken köstlich. Momentan ist der Passionsfrucht-Shake mein Favorit. Wir sind jetzt schon mehrmals zu einem bestimmten Stand gegangen, wo die Shakes besonders lecker sind und die Verkäuferin uns auch schon verschiedene Früchte zum Kosten geschenkt hat; Wir haben sie bereits lieb gewonnen, unter uns trägt sie inzwischen den inoffiziellen Namen „Die Shake-Frau“ vom Toul Tom Poung Market.

Meine erste Überwindung beim Thema Essen hatte ich am Freitag auf dem Central Market. Ich möchte versuchen, in dem vor mir liegenden Jahr möglichst viel einmal zu kosten. Auf dem Markt gab es u.a. Mehlwürmer als Snack für Zwischendurch zu kaufen. Wir Freiwillige entschlossen, gleichzeitig jeder einen zu probieren. Ich spürte richtig, wie der Mehlwurm in meinem Mund zerplatzte, vom Gefühl her etwa so ähnlich wie eine Weintraube, auf die man beißt. Ich habe schon Besseres gegessen, sehr begeistert war danach niemand von uns. Jedoch lag es weniger am Geschmack, sondern vor allem an der Vorstellung im Kopf und unserer Erziehung, schätze ich. Vielleicht lässt sich unsere Einstellung in den nächsten Monaten ja etwas ändern.

Der Verkehr in Phnom Penh ist ziemlich verrückt. Auf den Straßen tummeln sich viele Mopeds, Autos und auch recht viele größere Geländewagen. Tuktuks (kleine von Mopeds gezogene Rikschas) gibt es an jeder Ecke, und mit diesen kommt man als Passagier recht günstig durch die Stadt, wenn man die Preise kennt und gut verhandeln kann. Fahrräder gibt es wenig, diese werden eher von Ausländern benutzt. Wir Freiwillige fahren momentan noch viel Tuktuk, wollen aber in den nächsten Tagen vor allem auf dem Arbeitsweg usw auf Rad umsteigen. Dazu muss man sich aber erst ein wenig an den Verkehr gewöhnt haben.

Generell gibt es nicht viele Verkehrsregeln. Es wird zwar rechts gefahren, jedoch kommen einem auch des Öfteren Mopeds auf der linken Seite entgegen. Daher muss man immer in alle Richtungen schauen, bevor man eine Straße überquert. Wer das größere Gefährt hat, hat eher das Sagen. Autos nehmen sich daher gerne das Recht, hupend (als Warnung) über eine kleine Kreuzung zu fahren, ohne vorher anzuhalten. Als Fußgänger muss man selbstbewusst über die Straße laufen, die Mopeds weichen einem dabei normalerweise aus. Es ist in etwa so, wie wenn man quer durch einen Fluss schwimmt und die Wasserteilchen um einen herumströmen. Ampeln gibt es an größeren Kreuzungen, jedoch werden diese auch nicht auf die gleiche Weise akzeptiert wie in Deutschland. Uns wurde gesagt, dass man einfach ständig aufpassen muss, wenn man im Verkehr unterwegs ist, dann passiert auch meistens nichts.

Nun noch ein paar Neuigkeiten zu meinem Alltag. Seit Montag bekommen wir nun 2,5 Stunden Khmer-Unterricht morgens; Nachmittags geht’s zur Arbeit in die NGOs. Khmer ist eine interessante Sprache, die Grammatik scheint bis jetzt recht einfach zu sein. Im Gegensatz z.B. zu Chinesisch gibt es hier keine besonderen Betonungen und Laute, die man beachten muss. Daher hoffe ich, dass ich die Sprache in den nächsten Wochen soweit lernen kann, um mich in alltäglichen Situationen (z.B. beim Einkaufen) in Khmer verständigen zu können. Spätestens wenn ich meine ersten Ausflüge zu den Projekten von SCW in den Provinzen mache, muss ich Khmer sprechen, soweit es geht, da die meisten Leute dort überhaupt kein Englisch sprechen.

Mr. Vicheth plant schon einige Ausflüge und Aufenthalte mit mir in den Provinzen im Nordosten Kambodschas in den nächsten Monaten. Ich kann es kaum erwarten. SCW versucht gerade verstärkt, Öko-Tourismus-Projekte in den Provinzen aufzubauen, um den Menschen dort eine Lebensgrundlage zu geben und die Natur zu schützen. Außerdem können diese Projekte SCW bei der eigenen Finanzierung unterstützen. Dabei geht es darum, kleine Touristengruppen in festgelegten Routen für mehrere Tage durch die Wildnis zu führen, sie evtl. mit indigenen Bevölkerungen in Kontakt zu bringen usw. Bei der direkten Erprobung und Evaluierung dieser Tourismus-Angebote werde ich wahrscheinlich mitmachen dürfen. Dazu erzähle ich dann mehr, wenn es soweit ist.

In meinen ersten drei Arbeitstagen bei SCW war ich bei mehreren Meetings mit anderen Umweltschutzorganisationen, Geldgebern oder internen Besprechungen dabei. Noch verstehe ich Vieles nicht, aber ich werde meine freie Zeit in den nächsten Wochen verstärkt nutzen, um alle möglichen Berichte, Evaluationen, Projektbeschreibungen usw. von SCW zu lesen und mir somit das nötige Hintergrundwissen anzueignen.

Zum Schluss soll ich noch was Nettes über die Mädels schreiben. Ich genieße diese aufregende Zeit hier gerade sehr und ich bin froh, diese vier Menschen an meiner Seite zu haben. Maria hat einen sehr liebenswürdigen Charakter. Sie kann sich ruhig etwas mehr selbst zutrauen; Ich bin sicher, das wird sie über das Jahr lernen. Anna ist eigentlich immer am Kichern und versprüht einfach ständig eine humorvolle positive Energie. Jana hat eine etwas zurückhaltende Art und einen Humor, den ich mit der Zeit besser und besser verstehe und mittlerweile hab ich sie auch sehr lieb gewonnen. Und als letztes Tess; Dieses Fräulein hat eine sehr kecke und selbstbewusste Art. Trotzdem kümmert sie sich immer in einer sehr lieben Weise um unsere kleine Gruppe und nimmt gerne die fürsorgliche Mutterrolle ein. So viel zu unserer kleinen Truppe.

Eines ist für mich klar; Das Jahr bleibt spannend. Liebe Grüße aus Phnom Penh,

Euer Martin

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