Green Night, ein Ausflug ans Meer und Feiertage in Kambodscha

Die Green Night am 31.08.2017 war ein Erfolg. Es kamen recht viele Besucher und ich hatte alle Hände voll zu tun an meinem Informationsstand. Dort klärte ich mit kleinen Spielen und Infokarten über den unterschiedlichen Wasserverbrauch bei der Produktion von Lebensmitteln und verschiedene Emissionen von Fahrzeugen auf und informierte über unser Hauptthema des Abends; die indigenen Bevölkerungsgruppen Kambodschas. Das Material, mit dem ich arbeitete, wurde hauptsächlich von Andrea Roth entwickelt. Andrea arbeitet als Technical Advisor bei SCW und ist neben Mr. Vicheth meine Hauptansprechpartnerin, sie ist als Fachkraft über Brot fuer die Welt beschäftigt. BfdW unterstützt seine Partnerorganisationen weltweit entweder finanziell oder personell. SCW ist finanziell momentan gut aufgestellt, wird aber durch die Mitarbeit von Andrea Roth sehr gut unterstützt.

Im Laufe des Abends wurde der neue Film SCW’s aufgeführt, welcher kurz und bündig über vier ethnische Minderheiten Kambodschas – drei davon gelten als indigen- informiert und die zunehmenden Probleme bei der Aufrechterhaltung ihrer Kulturen und Lebensgrundlagen thematisiert. Im Anschluss an den Film wurden drei Vertreter dieser Bevölkerungsgruppen, welche für diese Veranstaltung extra in die Hauptstadt kamen, nach vorne auf die kleine Bühne geholt. Sie erzählten von ihrem Alltag und konnten daraufhin von den -meist westlichen- Besuchern befragt werden. Die Sprachbarriere wurde durch Mr. Vicheth überwunden, welcher die ganze Zeit über alles in Englisch/Khmer übersetzte. Auch die Presse war anwesend, wodurch es diese Veranstaltung und SCW ins kambodschanische Fernsehen geschafft haben – ein gelungener Abend für uns.

Den Film „Our Tribes – Our Heritage“ gibt es nun auch bei youtube unter folgendem Link: https://www.youtube.com/watch?v=nxIR-NscysY

An dem anschließenden Wochenende war ich mit meinen Mitfreiwilligen im Süden Kambodschas am Meer. Wir nahmen einen Bus nach Sihanoukville und fuhren von dort weiter in eine etwas abgelegene Gegend, wo es viele gut gelegene, aber sehr günstige Unterkünfte und vor allem viele interessante Aussteiger und Menschen aus aller Welt gibt, die sich dort eine neue Lebensgrundlage aufbauen.

Im Gegensatz zur Stadt Sihanoukville, welche ziemlich hässlich und dreckig und nicht einladend wirkt, sind die kleineren Ortschaften ein paar Kilometer weiter nahezu paradiesisch. Ein breiter, weisser Sandstrand zieht sich endlos weit an der Küste entlang und geht sehr flach ins hellblaue, warme Wasser über. Überall gibt es leckere Restaurants und Bars, und fuer 15 Dollar kann man ein Tagespaket buchen, bei dem man auf einem kleinen Boot den ganzen Tag lang zu verschiedenen kleinen Inseln gebracht wird, Schnorchelausrüstung bereitgestellt bekommt und von morgens an mit gutem Essen und Trinken versorgt wird. Diese Möglichkeit haben wir natürlich wahrgenommen.

Sonntagabend ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Phnom Penh. Kaum zu glauben, dass es nur wenige Stunden entfernt von dieser großen, dreckigen Stadt mit der ständig mit Abgasen durchtränkten Luft so schöne Orte gibt. Ich werde definitiv noch öfter ans Meer und in andere Provinzen fahren, solange ich in Phnom Penh bin und die Möglichkeit habe und unbedingt auch mal mehrere Tage auf einer der Inseln verbringen, vollkommen getrennt von dem Trubel der Welt.

Inzwischen ist unser täglicher Sprachkurs beendet und ich arbeite seit dieser Woche voll bei SCW. Wobei das auch ernster klingt, als es ist, da der Arbeitsalltag in Kambodscha generell etwas angenehmer als in Deutschland ist. Hinzu kommt, dass diese und nächste Woche eine besondere Zeit im kambodschanischen Kalender darstellen: Es ist Pchum Ben; Man gedenkt der Angehörigen und Verstorbenen, geht öfter in die Pagode und bringt den Mönchen Geschenke, wodurch diese an die Verstorbenen übermittelt werden und einem selbst in der Welt der Sterblichen Glueck und Segen für die Zukunft gewähren.

Ich hatte das große Glück, dass SCW diesen Montag einen Gruppenausflug in eine Pagode nördlich von Phnom Penh organisiert hat und ich selbst an einer Zeremonie teilnehmen durfte. Es war sehr aufregend für mich. Als wir in der Pagode ankamen, setzten wir uns in einer langen Reihe gegenüber von buddhistischen Mönchen auf den Boden. Diese beteten und sangen für uns, pro Teilnehmer ein Mönch. Anschließend übergab jeder von uns ein Geschenk an seinen gegenüber sitzenden Mönch, und unsere Seite antwortete mit buddhistischen Gesängen bzw. Rezitativen. Da es mir hierbei etwas an Erfahrung und Wissen fehlte, saß ich nur still, wie beim Meditieren, auf dem Boden und ließ die Situation auf mich einwirken. Nach dieser Zeremonie gingen wir noch im Raum herum und legten z.B. kleine Geldscheine in verschiedene Gefäße.

Im Anschluss an unseren Besuch in der Pagode wurde draußen mit meinen Kollegen gegessen und getrunken. Ausserdem erklomm ich mit Mr. Vicheth und Simon, einem Praktikanten, der ab dieser Woche für 3 Monate bei SCW arbeiten wird, einen nahe gelegenen Hügel, auf dem eine sehr beeindruckende Stupa steht, welche Teile der Asche von Buddha beinhalten soll. Von dort aus hatte man eine großartige Sicht auf die Landschaft.

Nächste Woche haben wir dann drei Feiertage innerhalb der Woche; Ich werde mir weitere Tage frei nehmen und die Zeit zum Reisen nutzen. Ab Ende September werde ich dann vermutlich mit Mr. Vicheth, Andrea und weiteren Kollegen in den Nordosten Kambodschas fahren und längere Zeit dort verbringen. Geplant sind mehrere Meetings mit Partnern wie den Johannitern oder der Welthungerhilfe, Besichtigungen der Projekte von SCW vor Ort und der Ökotourismus-Projekte, bei denen wir auch mehrere Tage in der wilderen Natur Kambodschas verbringen werden, wenn alles klappt.

Währenddessen spielt die Politik hier weiterhin verrückt, aber viele Kambodschaner scheinen leider nicht allzu überrascht darüber zu sein; der normale Alltag wird davon kaum beeinflusst. Die momentane grobe Bilanz ist folgende: 15 Radiosender wurden geschlossen, die Menschen auf dem Land bekommen jetzt kaum mehr unabhängige Berichterstattung. Eine NGO wurde geschlossen, die Cambodia Daily hat ihre letzte Ausgabe gedruckt und wurde nun ebenfalls geschlossen und zu guter Letzt wurde der Oppositionsführer der konkurrierenden Partei eines Nachts aus dem Bett direkt ins Gefängnis geleitet, die Anschuldigungen lauten in etwa Verschwörung gegen den Staat, Aufruf zur Revolution und geheime Zusammenarbeit mit den Amerikanern.. Ich brauche dazu wohl nichts weiter hinzuzufügen. Wir wurden auch mehrfach gewarnt, in der Öffentlichkeit kritisch über Politik zu reden; Das Recht auf Meinungsfreiheit ist momentan quasi nicht mehr vorhanden, da viele Leute Konsequenzen durch eine unbedachte Äußerung in der falschen Umgebung befürchten.

Gerade wenn man solche Umstände mitbekommt, schätzt man es mehr denn je, die Briefwahl in Deutschland beantragen und sich frei über die Debatten in der Heimat informieren zu können. Schade nur, dass ich bereits zwei mal vergeblich zur Post gefahren bin und bis jetzt kein Brief ankam. Die kambodschanische Post soll nicht die zuverlässigste sein, habe ich gehört. Ich bin gespannt, ob hingegen wenigstens meine Briefe in Deutschland ankommen werden.

Bis bald,

Euer Martin

 

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3 Kommentare zu „Green Night, ein Ausflug ans Meer und Feiertage in Kambodscha

  1. Martin.:das alles hast du sehr anschaulich geschrieben und mit den Fotos toll untermalt. Es währe trotzdem sehr schön so bald als möglich direkt per Skyp von dir zu hören das alles O:K. ist
    Ich denke oft an dich und habe dich sehr lieb und bin sehr stolz auf mein Kind. Was du alles erlebst und dir zutraust ist wirklich beachtlich. Möge der liebe Gott oder gerne auch ein anderes lebendiges Wesen seine Hände schützend über dich halten, damit es dir auch weiterhin gut geht. die mamama

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  2. Lieber Martin,
    es macht Spaß, deine prägnanten Blogeinträge zu lesen. Du schreibst genau so, wie du sprichst, was das Lesen sehr unterhaltsam macht.
    Da der letzte Eintrag nun bereits über 2 Wochen her ist und du unseres Wissens nach seitdem in der ländlichen Pampa verweilst, hoffen wir sehr, dass es dir trotzdem gut geht und wir bald Neues von dir hören. Am liebsten wie immer über Skype.
    Ich werde ständig von Bekannten und Freunden auf dich angesprochen. Du siehst also, hier denken viele an dich und vermissen dich. Sicherlich ist es für dich nicht einfach, so lange von deiner Lieblingsschwester getrennt zu sein, aber tröste dich; auch ich vermisse dich (manchmal). 😀

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  3. Hallo Martin, Opa und Christina haben bei Christinas Sohn Dieter auch in deinen Blog geguckt und somit auch mal Fotos von dir gesehen, Eine Bemerkung wollten sie aber nicht machen, da sie Dieter nicht zum Anmelden nötigen wollten. Schreib doch mal wieder und mach schöne viele Fotos rein.H.D.L. Die MAMAMA,,,,,

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