Wasserfest, die Inseln Koh Rong, Kaoh Trong und ein Wildlife Rescue Center

Seit meinem letzten Eintrag habe ich die Wochen über viel Zeit im Hauptbüro von Save Cambodia’s Wildlife verbracht und an verschiedenen Projekten gearbeitet. Neben meiner kleinen internen Englischklasse und dem Verfassen/Korrigieren kleinerer Texte und Berichte für SCW besteht meine momentane Arbeit hauptsächlich in der Erstellung eines eigenen SCW-Kalenders für 2018. In diesem Kalender werden alle aktuellen Projekte, SCW-Teamfotos von den verschiedenen Provinzen, Informationen über aktuelle Themen von uns (z.B. über die indigenen Gruppen Kambodschas) und auch viele Zitate von Partnern, Mitarbeitern oder Angehörigen unserer Zielgruppen eingefügt. Das Ganze wird in Englisch und Khmer verfasst, wodurch ich zusätzlich nochmal stark auf eine gute Zusammenarbeit mit meinen Kollegen angewiesen bin. Dies ist nicht immer so einfach, da sich die kambodschanische Arbeitshaltung im Allgemeinen ein wenig von der deutschen unterscheidet. Im Großen und Ganzen macht mir die Arbeit aber Spaß und ich lerne nochmal Einiges über die Arbeit und Kommunikation mit meinen Kollegen.

Währenddessen wurde Mitte Oktober direkt in unserer Straße eine kambodschanische Feier abgehalten. Kambodschaner feiern zu bestimmten Anlässen wie z.B. Hochzeiten gerne sehr groß, pompös und lange; Zu diesem Zweck werden große Zelte mitten in der Stadt aufgebaut, die die Straßen dann für 2-3 Tage komplett blockieren. Wir haben schon sehr viel darüber gehört, einige solcher Feste gesehen und meine Mitfreiwillige Maria hat auch schon an einer Hochzeit teilgenommen; Dieses Mal war unsere Straße an der Reihe. Ich habe ein Foto von unserem Balkon aus gemacht und am Ende dieses Eintrages mit eingefügt. Dadurch hat man eine Idee, wovon ich spreche.

An den Wochenenden versuche ich möglichst viel zu unternehmen und die vielen beeindruckenden Landschaften und Orte in diesem Land zu erkunden. Vor mehreren Wochen habe ich daher wieder einen Bus ans Meer und anschließend eine Fähre zur Insel Koh Rong genommen. Diese ist bei internationalen Backpackern und Aussteigern sehr beliebt, das Leben auf der Insel lässt einen schnell vergessen, in welchem Land man sich eigentlich befindet. Die Insel beinhaltet zahlreiche paradiesische Strände, Strandbars und Bungalows. Ich war alleine dort unterwegs und habe mich ziemlich bald ein wenig gelangweilt. Mir ist recht schnell bewusst geworden, dass ein Strandurlaub ohne Begleitung und auch ohne große Möglichkeiten zum Wassersport sehr sehr ruhig sein kann; zu ruhig für meinen Geschmack. Daher bin ich auch ziemlich viel umhergelaufen, habe verschiedene Strände und Waldpfade erkundet und nach ein wenig Abwechslung gesucht.

An dem darauffolgenden Wochenende war ich mit Tess in einem Tierpark, das Phnom Tamao Wildlife Rescue Center, in dem verletzte oder bedrohte Tiere aufgenommen werden und nach Möglichkeit wieder ausgewildert werden. SCW leiht mir während meines Freiwilligendienstes ein eigenes Moped, mit diesem sind wir dorthin gefahren. Der Park ist etwa 1,5 Stunden südlich von Phnom Penh gelegen. Neben vielen freilebenden Affen gibt es einige Tiere, die in Gehegen und Käfigen gehalten werden, wie z.B. Tiger, Elefanten oder Bären. Es ist ähnlich aufgebaut wie die Zoos in Deutschland, jedoch sind es hier alles heimische Tierarten (bzw. welche einmal heimisch waren) und die Parkanlage ist auch spannend gestaltet; wie ein großes Waldgebiet mit vielen verstreuten Käfigen und auch frei herumlaufenden Tieren.

Letzte Woche waren wieder besondere Tage im kambodschanischen Kalender. Vom 02. bis zum 04. November wurde in Kambodscha das Wasserfest gefeiert. Drei Tage lang wird das Ende der Regensaison sowie die Umkehrung der Fließrichtung des Tonle Sap Flusses zelebriert. Viele Menschen strömen nach Phnom Penh, es finden täglich Bootsrennen auf dem Mekong vor dem königlichen Palast statt, abends werden Boote mit riesigen leuchtend-bunten Wänden vorgeführt, außerdem gibt es auch große Feuerwerke zu bestaunen. Die ganze Riverside ist voll mit Menschen, es wird die ganze Zeit über viel gegessen und getrunken. Ich habe mir das Spektakel nur am Abend des letzten Tages angeschaut; die freien Tage vorher habe ich wieder zum Reisen genutzt.

Mich hatte einen Tag vor Beginn der Feiertage eine Kollegin von SCW gefragt, die in der Provinz Kratie nördlich von Phnom Penh arbeitet, ob ich nicht Lust hätte, mit Fahrrad eine Insel in Kratie zu erkunden. Weil ich bis dahin immer noch unentschlossen mit meiner Planung war, habe ich spontan zugesagt und am gleichen Tag einen Minibus nach Kratie genommen. Am nächsten Morgen liehen wir uns Fahrräder aus und nahmen die Fähre zur Insel Kaoh Trong über den Mekong. Die Landschaft auf der Insel ist sehr schön. Es gibt viele Reisfelder, Obstgärten und man trifft viele sympathische Menschen. Übernachtet haben wir in einem sogenannten Homestay. Dabei handelt es sich um eine Unterkunft, die man mit einer kambodschanischen Familie teilt. Man lebt während dieser Zeit quasi mit der Familie in einem Raum, wird von ihnen bekocht und zahlt dafür ein paar Dollar. Mir gefällt diese Art von Unterkunft sehr gut, da man mit den lokalen Bewohnern sehr direkten Kontakt hat und viel von der Kultur mitbekommen kann. Da meine Kollegin selbst ja Kambodschanerin ist und ganz gut Englisch spricht, habe ich viel über die Menschen auf der Insel und deren Leben erfahren können.

Am nächsten Morgen (Tag 2 vom Wasserfest) fuhr ich mit dem Minibus zurück nach Phnom Penh. Nachmittags machte ich mich mit meinem Moped gleich wieder auf den Weg in die Provinz, ca. 20 km östlich von Phnom Penh gelegen. Dort feierte ein kambodschanischer Bekannter meiner Mitfreiwilligen Maria eine Einweihungsparty für sein neues Haus, wie oben bereits beschrieben auch hier in angemessenem Umfang. Dazu wurden hunderte Leute eingeladen, es wurde eine Bühne aufgebaut, viel gegessen, getanzt, gesungen und auch viel getrunken. Es ist Brauch bei solchen Veranstaltungen, dass man statt Geschenken einfach Geld mitbringt und dem Veranstalter schenkt, da dieser für die Durchführung der pompösen Feier tief in die Tasche greifen muss. Ich konnte zum ersten Mal meine kambodschanischen Tanzkünste austesten. Kurz beschrieben: Zu traditionellen kambodschanischen Liedern tanzt man mit der Gruppe sehr langsam im Kreis, mit den Füßen macht man recht kurze, eher einfache Schrittfolgen, mit den Armen und Händen formt man geschmeidige Figuren. Ich komme mir dabei ehrlich gesagt leider etwas albern vor; Spaß macht es trotzdem.

Das waren meine wichtigsten Erlebnisse der letzten Wochen, die ich mit euch teilen möchte. Zum Abschluss möchte ich euch wieder einmal ein paar Worte zur politischen Situation in diesem Lande mitgeben, da man davon meines Wissens nicht viel in Deutschland mitbekommt. Die Regierung unter Führung von Prime Minister Hun Sen ist gerade dabei, die konkurrierende Oppositionspartei CNRP vollständig aufzulösen. Deren Parteipräsident Kem Sokha hatte er bereits, wie in meinem früheren Eintrag beschrieben, verhaften lassen. An dessen Freiheitsstatus hat sich trotz internationaler Proteste bislang nichts geändert. Die stellvertretende Parteipräsidentin der Opposition und Parlamentsabgeordnete Mu Sochua hat im letzten Monat das Land verlassen, da ihre Verhaftung ebenfalls unmittelbar bevorstand. Sie reiste nach Berlin und versucht meines Wissens seitdem, vom Ausland aus auf die Situation Aufmerksamkeit zu erregen und für ihre Sache zu werben. Von der internationalen Gemeinschaft gibt es hier und da Kritik an der vollständigen Auflösung der Oppositionspartei, bis jetzt scheint die kambodschanische Regierung aber ziemlich unbeeindruckt zu sein und nicht von ihrem Vorhaben abrücken zu wollen.

So viel an Neuigkeiten aus Kambodscha.

Liebe Grüße, Euer Martin

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3 Kommentare zu „Wasserfest, die Inseln Koh Rong, Kaoh Trong und ein Wildlife Rescue Center

  1. Am Wochenende waren wir in Heiligensee singen und Tante Regina (meine Patentante) war auch da und hat garnicht aufhören können von deinen Berichten zu schwärmen, weil du solch wunderbaren Schreibstiel hast. Damit hat sie ja deinen Papsi sehr erfreut der das jetzt auch immer wieder lobend erwähnt bei allerlei Gelegenheiten. Martin, du solltest wohl eher Schriftsteller werden. Aber es macht wirklich viel Freude und vergnügen deinen Worten zu „lauschen“ weil du laut Lilly so schreibst wie du auch sprichst bzw. denkst. Schön! H.D.L.

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  2. Lieber Martin, Deine Reiseberichte könnte ich stets stundenlang lesen. Du schreibst so prosaisch lebendig, anschaulich und freiweg „von der Leber“ als wärst Du schon lange ausgebildeter Schriftsteller. Einfach phantastisch!! Mir geht es beim Lesen Deiner Berichte so, dass ich mir dabei vorkomme, ich wäre ich selbst dabei. Am Sonntag, vorgestern, trafen Mama und ich Mama’s Patentante Regina in Heiligensee (Du kennst sie auch von zahlreichen Familienfeiern). Wir sangen mit unserem Kirchenchor beim Gottesdienst dort von Pfarrer Volker Lübke. Regina meinte zu uns nach dieser Veranstaltung, sie „verschlinge“ immer Deine Reiseberichte. Sie versuche sich immer wieder bewusst zu sein, dass Du kein langjährig erfahrener Schreibprofi bist, sondern noch so jung, ohne jede vorherige journalistische Ausbildung. Ich hatte zwischenzeitlich schon die Überlegung angestellt, ob ich beim TAGESSPIEGEL mal nachfrage, ob sie möglicher Weise interessiert wären an Deinen Beiträgen aus Deinem Auslandsjahr für ihren Kulturteil. Andererseits wirst Du höchstwahrscheinlich in ca. 8 Monaten (zum Glück für uns und alle, die Dich kennen und somit schätzen) erst einmal wieder in der Heimat sein. Aber auf alle Fälle könntest Du vielleicht später mal u.a. was aus dieser Begabung machen, vielleicht immer wieder mal Beiträge (auch zu „trockenen“ Themen so lebendig) für Wissenschafts-, Reisejournale etc. schreiben. Lilly meinte vorhin zu mir, Du schreibst 1:1 so, wie Du Dinge erlebst und empfindest. Das macht Deine Schilderungen so lebendig und einzigartig. Bleibe gesund und heiter und erfreue Deine Umwelt weiterhin allein schon durch Deine bloße Erscheinung. Sei sicher, alle dürfen sich glücklich schätzen, die Dich erleben, liebes großartiges Söhnchen.
    Viele liebe Grüße sendet Dir Dein auf Dich so stolzer Papa. PS: Naily war mein lanjähriger Spitzname während meiner Gymnasialzeit…

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  3. Danke lieber Naily und Mama, Ihr ueberhaeuft mich beide wieder mit Komplimenten, die meiner Meinung nach sehr uebertrieben sind. Es ist aber schoen zu wissen, dass mein Blog von vielen Leuten gerne gelesen wird und die Idee, das Schreiben spaeter mit meinen Studieninhalten zu verbinden, klingt fuer mich auch sehr interessant, vielleicht finde ich ja eine Moeglichkeit dazu. 🙂

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