Project Closure in Ratanakiri, Indonesien mit meinem Bruder und Meetings in Phnom Penh

Letztendlich blieb ich deutlich länger in Ratanakiri, als ursprünglich geplant. Das Projekt dort mit unserem Partner, der Welthungerhilfe, endete im Dezember 2017 und daher gab es neben der abschließenden Umfrage und dem darauf aufbauenden finalen Bericht noch einiges zu tun für unser Team. Zwei Mitarbeiter der Welthungerhilfe, der Landesdirektor von Kambodscha / Laos namens Dirk Reber und der Landesdirektor von Myanmar, Mike Bratzke, kamen nach Ratanakiri für die offizielle Projektbeendigung. Es wurde ein Feldbesuch organisiert, wir fuhren zusammen mit dem Team in die CPA (community protected area) O’Tung am Rande des Virachey Nationalparks und schauten uns verschiedene Ergebnisse des dreijährigen Projektes an. Unsere Gruppe besuchte in zugehörigen Dörfern zwei Gemüsegärten (im Originalen heißt es Homegardening, direkt übersetzen könnte man es evtl. auch mit ‚Heimgarten‘), führte Gespräche mit dem CPA-Komitee, mit einer Öko-Tourismus-Gruppe, einer NTFP-Gruppe (= Non Timber Forest Products; Dies sind Naturprodukte, welche auf nachhaltiger Basis eingesammelt und verkauft werden können, z.B. Bambus oder Malvanuss) und weiteren Gruppen, welche wir mit unserem Projekt unterstützt haben.

Für mich war dieser Ausflug sehr spannend, da die beiden Mitarbeiter der Welthungerhilfe Deutsch sind und wir somit sehr gut und direkt miteinander reden konnten und die beiden miteinander den ganzen Tag über sehr ehrlich über das Projekt und viele dazugehörige Themen gesprochen haben. Dadurch habe ich viele spannende Informationen aufschnappen können und konnte die Arbeit meiner NGO Save Cambodia’s Wildlife aus einer anderen, sehr erfahrenen und kritischen Sichtweise betrachten.

Am nächsten Tag fand die offizielle Zeremonie zur Beendigung des Projektes statt. Es wurde ein Festzelt mit Bühne aufgebaut und viele Gäste wurden eingeladen, u.a. Vertreter unserer Zielgruppen, Projektpartner und lokale Autoritäten, z.B. ein Vertreter vom Umweltministerium. Nach mehreren Reden der beteiligten Parteien – Dirk Reber von der Welthungerhilfe hielt eine spannende Rede mit sehr direkten Worten zu den aktuellen Umweltproblemen und Herausforderungen in Ratanakiri, vor allem an die anwesenden lokalen Autoritäten gewandt – war das recht steife, aber obligatorische Programm beendet und es wurde zum Essen und Trinken eingeladen. Live-Musik und Tänzerinnen traten auf und je länger der Abend ging, desto mehr wurde getanzt, gesungen und getrunken. Viele meiner Kollegen hatten sehr gute Laune, aber waren ebenso sehr emotional, da sich das Projektteam dort mit Ende des Projektes nun auflöst und die meisten Mitarbeiter zunächst nicht länger für SCW arbeiten werden.

Dirk und vor allem Mike waren überrascht über die ausgelassene Feier und die Partystimmung. Wir drei wurden am späteren Abend aufgefordert, deutsche Lieder auf der Bühne zu singen. Das ließen wir uns nicht entgehen. Wir sangen „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen, „Moskau“ von Dschinghis Khan und „Skandal im Sperrbezirk“. Obwohl fast niemand unsere Texte verstehen konnte, wurden wir ordentlich von allen unterstützt und gefeiert. Das hat schon richtig Spaß gemacht, sich für einen kurzen Moment wie ein kleiner Rockstar zu fühlen.

Am nächsten Morgen durfte ich mit den Beiden im Welthungerhilfe-Wagen mit nach Phnom Penh fahren. Darüber war ich recht erleichtert, da ich dadurch diesmal nicht mit einem kambodschanischen Minivan zu fahren brauchte, in denen man oftmals mit wenig Platz, einem Überangebot an Geräuschen und einigen Mitfahrern ausharren muss, was während einer so langen Fahrt auf Dauer etwas belastend werden kann. (Über die Busfahrten in Kambodscha fernab der Haupt-Touristen-Routen könnte man auch einen eigenen Eintrag schreiben, meine Mitfreiwilligen und ich hatten schon einige seltsame Situationen. Wenn man es mit Humor nimmt und keine Angst vor engerem Menschenkontakt hat, sind es meistens keine allzu schlechten Erlebnisse. Jedoch bin ich ganz froh, wenn ich bei längeren Strecken unter etwas besseren Standards reisen kann.)

Die anschließende Woche verbrachte ich mit meinen Mitfreiwilligen in Phnom Penh, um uns gemeinsam an der restlichen Adventszeit zu erfreuen. Im Gegensatz zu ihnen war ich bis jetzt in keinem Gottesdienst, seit ich in Kambodscha bin (ich trage inzwischen den Spitznamen „der Heide“). Wir wurden zu einem deutschen ökumenischen Nikolausgottesdienst eingeladen und zu Weihnachten, dachte ich mir, kann man das ruhig mal mitmachen.

 

Kurz darauf ging mein Flug nach Indonesien. Ich möchte diesen Urlaub nur knapp beschreiben, da dieser Blog vor allem von meiner Arbeit und meinen Erlebnissen in Kambodscha berichten soll. Ich füge aber einige Bilder mit ein. Indonesien hat mich auch wieder total beeindruckt und ich war erstaunt, dass ich diesem Land vorher nie große Beachtung als Reiseziel geschenkt habe. Die Kultur und Geschichte sind sehr stark durch Buddhistische und Hinduistische Merkmale geprägt, heutzutage ist die Bevölkerung jedoch mehrheitlich muslimisch, dadurch ergibt sich eine interessante Bevölkerungs-Zusammensetzung, viele verschiedene Ethnien leben friedlich miteinander. Die abwechslungsreiche und oft atemberaubende Landschaft hat mich fasziniert. Es gibt sehr viele aktive Vulkane, gut erhaltene Natur und unzählige Strände. Als Ausländer fällt man in manchen Gegenden sehr auf und wird ständig nach Fotos gefragt.

Lukas und ich haben uns am Flughafen in Jakarta auf der Insel Java getroffen und haben uns die Stadt zwei Tage lang angesehen. Dann ging es weiter nach Yogyakarta in Zentraljava, die „kulturelle und historische Hauptstadt“, von der es sehr viele Tagestouren zu Vulkanen, Tempelanlagen und Höhlen gibt. Von dort aus nahmen wir einige Tage später den Zug nach Malang, eine kleinere Stadt in Ostjava. Wir verbrachten hier zwei Tage und den Silvesterabend und fuhren an Neujahr weiter an die Ostküste in die Stadt Banyuwangi. Dort machten wir u.a. eine nächtliche Besteigung auf den Vulkan Ijen, welcher sehr aktiv ist und blaue Schwefel-Flammen produziert. Anschließend ging es mit der Fähre zur Nachbarinsel Bali, unser letztes Ziel, welches eine sehr bekannte Touristenhochburg ist und sich extrem von Java unterscheidet. Ich habe wieder einen kleinen Kulturschock erlebt, und auch wenn man auf Bali ein kleines Paradies vorfindet – es gibt unzählige Strände und Surfmöglichkeiten, Reisplantagen, gute Tauchspots und viele alte Tempelanlagen –, hat mir persönlich die Zeit auf Java besser gefallen.

 

Seit zwei Wochen bin ich nun wieder in Kambodscha. Die meiste Zeit war ich in unserem Hauptbüro in Phnom Penh, es gab ein paar wichtige Termine. Die Zusammenarbeit mit den kambodschanischen Ministerien ist nicht immer einfach für SCW, oftmals verzögern sich Projekte dadurch, dass uns bei der Durchsetzung von Regierungsseite aus so manche Hürden gestellt werden. Daher ist es sehr wichtig, dass wir möglichst eng mit den betreffenden Ministerien kooperieren und sie von dem guten Zweck unserer Arbeit überzeugen. Inzwischen habe ich aber auch gelernt, dass es ebenso Machtkämpfe zwischen den einzelnen Ministerien gibt. Zum Beispiel habe ich gehört, dass das Wirtschaftsministerium im letzten Jahr einige Grundstücke an chinesische oder vietnamesische Investoren vergeben hat und nicht groß auf die dort lebenden Anwohner und deren Ansprüche geachtet hat (ich spreche von „Economic Land Concessions“ (ELCs), über diese habe ich auch im letzten Eintrag geschrieben). Daraufhin ist das Umweltministerium jedoch eingeschritten und konnte erreichen, dass einige der ELC-Prozesse wieder rückgängig gemacht wurden.

SCW hat nun ein sehr wichtiges Abkommen, ein sogenanntes „Memorendum of Understanding“ (kurz MoU), mit dem Umweltministerium geschlossen, was viele Prozesse in unseren Projekten erleichtert und uns quasi etwas „Rückendeckung“ vom Umweltministerium gibt. Es ist für 5 Jahre gültig. Dieses Abkommen wurde diese Woche feierlich unterschrieben, unser Direktor von SCW und der Generaldirektor Mr. Sam Ang CHEA des „General Department of Administration for Nature Conservation and Protection“ des Umweltministeriums hielten Ansprachen. Mr. Sam Ang CHEA hat sich sehr stark für Umweltschutz und für eine stärkere Kooperation mit uns ausgesprochen, um die verbliebene, stark bedrohte Natur in Kambodscha zu erhalten. Ich war überrascht, dass uns von dieser Seite so viel Zustimmung und Hingabe entgegenkommt. Nach dem Setzen der Unterschriften auf dem Abkommen, vielen Fotos und Händeschütteln wurde das MoU mit mehreren Flaschen Champagner und Essen gefeiert.

In dieser Woche hatten wir auch zwei Meetings, bei denen wir jeweils an neuen Projektentwürfen arbeiteten. Zum einen fand ein Meeting von SCW mit einem unserer Geldgeber, den Johannitern, in Phnom Penh statt. Wir besprachen den Stand des aktuellen Projektes und diskutierten anschließend über einen neuen Projektentwurf, welcher in Zusammenarbeit mit den Johannitern beim BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eingereicht wird. Dafür werden verschiedene Ideen und Möglichkeiten ausgewogen, mit unseren Partnern diskutiert und konkretisiert. Das neue Projekt mit den Johannitern soll dann möglichst im Anschluss an das aktuelle Projekt anlaufen, welches im Februar 2020 endet.

Außerdem entwerfen wir momentan ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe, in Anlehnung an jenes, welches gerade endete. Dieses Projekt mit der WHH konzentrierte sich bis jetzt auf die CPAs (community protected areas) und deren Bewohner in Ratanakiri im Nordosten Kambodschas. Im neuen Projekt, welches hoffentlich ab Herbst diesen Jahres anlaufen wird, möchten wir unsere Zusammenarbeit auf alle landesweit existierenden CPAs ausweiten, es soll momentan 152 geben in ganz Kambodscha. Jedoch sind viele der CPAs noch mitten im Prozess der Anerkennung durch die Regierung, dies benötigt einige Jahre und viel Bürokratie und ist ohne externe Hilfe kein leichtes Unternehmen für die Bewohner. Wir möchten diese Anerkennungs-Prozesse landesweit voranbringen. Grob gesagt geht es bei dem Projekt darum, dass wir ein Netzwerk aufbauen möchten, in welchem sich die Bewohner der CPAs verständigen können, um mit einer geeinten Interessenvertretung mehr zu bewirken. Es soll außerdem viele Veranstaltungen und Workshops im ganzen Land zu Umweltschutz und umweltpolitischen Themen geben, die Umwelt soll mehr in den Fokus der Gesellschaft gerückt werden. Aufgrund des mangelhaften Bildungsstandards wird der Jugend während der Schulzeit kein allgemeines Umweltbewusstsein vermittelt, wie wir es in Deutschland gewohnt sind.

 

Morgen werde ich – wenn alles gut läuft – gegen 4 Uhr früh von einem Busunternehmen angerufen und bei meiner Wohnung abgeholt. Dann fahre ich nach Siem Pang in der Provinz Stung Treng, der Ort ist wenige Kilometer von der laotischen Grenze entfernt gelegen. In Siem Pang befindet sich unser Büro und der Hauptfokus unseres Projektes mit den Johannitern. Es soll eine sehr abgelegene Gegend sein. Ich bin froh, mir unsere Arbeit dort vor Ort endlich anschauen zu können. Vermutlich werde ich jedoch schon wieder am Freitag zurück nach Phnom Penh fahren, da ich am kommenden Wochenende zu einer kambodschanischen Hochzeit eingeladen bin. Dieses Erlebnis möchte ich nur ungerne verpassen.

Liebe Grüße,

Euer Martin

 

 

 

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